Verschollen in Al’Anfa Originalbild

Originalbild zum DSA-Abenteuer Verschollen in Al’Anfa, gezeichnet von Künstler Claus D. Biswanger. Das Cover des Bildes zeigt die Versteigerung eines Mannes und einer Frau auf dem Al‘Anfanischen Sklavenmarkt. Im Zentrum der Szene steh das Paar entblößt auf einem Podest. Umringt sind sie von einer Zuschauermenge aus Al’Anfaner Bürgern. Die gezeigte Szene ereignet sich in einem Innenhof, der von hohen Mauern mit weiten Torbögen umfasst ist.

Während der zur Schau gestellte Mann versucht Haltung zu bewahren, schaut die neben ihm stehende Frau scheu umher und versucht schamvoll, mit einem Tuch ihre Nackheit vor den Blicken der Umstehenden zu verbergen. Die Al’Anfaner Bürger hingegen sind – als deutlicher Kontrast – in aufwändige, wallende Gewänder gehüllt, teils auch mit Tüchern auf dem Kopf. Insgesamt machen die Umstehenden einen wohlhabenden Eindruck: Man sieht protzigen Schmuck, die Leibesfüllen einiger Bürger und Sonnenschirm haltenden Sklaven als Zeichen der Dekadenz. Die Zuschauerschaft hält kaum Distanz zu den offensichtlichen Sklaven, alle glotzen und mustern schamlos wie bei einer Viehbeschau.  

Durch Herrn Biswangers Impression von Al’Anfa geht eindeutig ein orientalisches angehauchtes Flair. Man sieht dies an der Architektur mit seinen spitzen Torbögen und Kuppeldächern und den Gewändern und Kopfbedeckungen der im Bild gezeigten Personen. Auch Rüstungen und Waffen des Wachpersonals lassen eindeutig orientale Einflüsse erkennen.

Als dominante Farbe hat Herr Biswanger blau gewählt. Es findet sich in den Farben des Himmels und in dem das Bild einrahmenden Torbogen. Auch überall sonst finden sich Schlieren und Schatten von blau in den anderen Farbflächen wieder. Blau steht für unendliche Weiten, aber auch für den Traum von Freiheit. Vielleicht wollte Herr Biswanger auch diese Komponente mit einfließen lassen. Sicherlich aber verleiht die in blau getauchte Szenerie dem Bild eine traumähnliche Stimmung.

Ein optischer Kniff in dem Bild ist, dass Herr Biswanger den Betracher über die Perspektive zum diskret im Hintergrund stehenden Zuschauer macht. Der Bildbetrachter schaut aus einem Torbogen heraus, über die Schultern von zwei Wachen hinweg, nach draußen in den Innenhof. Sehr deutlich steht der Betrachter im Dunklen, erkennbar an der dunkelblauen Rahmung der Innenhofszene. Wahrscheinlich will der Betrachter besser unbeteiligt und im Dunklen bleiben. Klar von dem dunklen Rahmen des Torbogens abgehoben ist das dann in Pastelltönen gehaltene Arrangement im Innenhof. Dieser schöne Kontrast von der Fläche hinter dem Torbogen und der Innenhofszene geht leider bei dem gedruckten Produkt ein Stück weit verloren. Hier hat man sich beim Layout fast ganz auf die Sklavenauktion konzentriert.

Claus Biswanger hat hier ganz sicher das ausdrucksstärkste seiner Werke für Das Schwarze Auge abgeliefert. Es hat auch für lange Zeit meine Vorstellung von Al‘Anfa maßgeblich geprägt mit der gezeigten Kultur, Architektur und Stimmung. Natürlich blieb dieses Cover auch hängen wegen seines besonderen Inhalts, an den man sich als Spieler zwangsläufig lange erinnern musste. Das Abenteuer wirbt auch unumwunden damit, Abenteuerpunkte „in ungeahnten Höhen“ erlangen zu können. Die in Aussicht stehenden 1.000 Abenteuerpunkte waren für damalige Verhältnisse tatsächlich beispiellos viele. Aber wie immer kommt selten etwas ohne seinen Preis.

Der Kern des Abenteuers war ein mysteriöser „Komplex“ unter einem Schloss im südaventurischen Dschungel, aus dem die Helden ausbrechen mussten. Aus heutiger Sicht würde man sagen: ein tödlicher Escape Room – ein bisschen wie bei „The Saw“ oder „Cube“. Und „tödlich“ war hier wirklich wörtlich zu nehmen. 3 der 12 möglichen Wege führten klipp und klar in den direkten Tod (das musste man als Spieler einfach wertschätzen). Die anderen Wege waren mindestens eine ernsthafte Bedrohung. Und nur ein Weg führte heraus. Das Drumherum war dann eher ein bisschen Staffage und der Plot eher obskur.

Der Plot in Kürze: Man gerät als Heldengruppe auf dem Sklavenmarkt in die Hände eines Schwarzoger Fürsten (Klar, oder?). Der lebt mit seinem Clan in diesem einsamen und seltsamen Schloss mitten im Dschungel. Die Auflösung dieses seltsamen Designs ist eine nicht minder seltsame Entität namens N’hatoep, die die Oger beherrscht, den Bau all dessen veranlasst hat und in Gestalt eines Tukans (ja, wirklich) heimlich die Fäden zieht. Nicht nur der Name ist übrigens sehr nah an der von H. P. Lovecraft geschaffenen fiktiven Figur des Gottes Nyarlathotep, sondern auch die Natur des N’hatoep. Wie auch Nyarlathotep wird dieser nämlich als völlig erratisch, nicht erklärbar und von unbekannter Herkunft beschrieben. Auch hier sieht man wieder: Verbindungen zu Cthulhu durchziehen nicht erst seit „DSA Mythos“ die Geschichte von DSA.

Die Autoren des Abenteuers sind Ulrich Kiesow und Werner Fuchs.

Das Originalbild hat die Maße 74 mal 77 cm (ohne Rahmen).

Abenteuer „Verschollen in Al’Anfa“

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