Drakensang 3 Grobkonzept

Als Radon Labs im Mai 2010 Insolvenz anmelden musste, war das für Fans der Drakensang-Reihe eine echte Hiobsbotschaft, denn kurz zuvor im April war auf der Veranstaltung Making Game Talents die Entwicklung eines dritten Teils angekündigt worden. Der Arbeitstitel, der später natürlich mit Leben gefüllt worden wäre, lautete erst einmal flach aber prägnant Drakensang 3.

Was mit Drakensang 3 geplant war und welchen Weg das Spiel eingeschlagen hätte, sollten die Fans allerdings nicht mehr erfahren. Auch wenn nach der Insolvenzbekanntgabe die Radon Labs-Zukunft mit der Übernahme durch Bigpoint zunächst gesichert war, schlug Bigpoint in Bezug auf die Verwertung der Marke Drakensang (eine solche war Drakensang mittlerweile) strategisch einen komplett anderen Kurs ein. Drakensang sollte sich entwickeln vom Stil klassischer Stand Alone PC-Rollenspiele hin zu einem browserbasierten Actionrollenspiel à la Diablo oder Dungeon Siege. Drakensang Online – wie das Spiel später heißen sollte – hatte schlussendlich nichts mehr mit Das Schwarze Auge oder den Mechanismen der ersten Drakensang-Teile zu tun und sprach dementsprechend tendenziell ein gänzlich anderes Publikum an.

Das Add On zur alten Saga Phileassons Geheimnis wurde durch Bigpoint noch im August 2010 publiziert – zum Zeitpunkt der Übernahme von Radon Labs waren die Arbeiten daran erfreulicherweise fast vollständig abgeschlossen. Dieses Schicksal war leider Drakensang 3 nicht beschieden, welches anders als Phileassons Geheimnis noch in der frühen Konzeptionsphase steckte. Das Projekt wurde durch Bigpoint nach der Übernahme sehr bald zugunsten von Drakensang Online vollständig zu den Akten gelegt. Vielmehr als die Ankündigung selbst blieb also bedauerlicherweise nicht in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit von Drakensang 3.

Zum Glück aber sind einige der Ideen von damals in einem Grobkonzept festgehalten worden. Und zum Glück sind die Relikte dieser Konzeptionsarbeit nicht verloren gegangen, sodass man sich heute – wenn man schon nicht das Spiel hat – mit ein wenig Phantasie ein sehr gutes Bild davon machen kann, wohin Drakensang 3 inhaltlich und kreativ hätte gehen können.

Das spektakuläre an den Unterlagen fällt einem gleich ins Auge: Drakensang 3 hätte die Spieler nach Uthuria – dem sagenhaften Südkontinent – führen sollen. In der Rolle eines Kapitäns hätte man die „alte Welt“ Aventurien verlassen und wäre Teil der Erkundung des „neuen“ exotischen Kontinents geworden. Wirklich vielversprechend war, dass man sich eng mit der ursprünglich einmal für 2011 angesetzten Uthuria Kampagne des Pen & Paper Flagschiffes verzahnen wollte. Radon Labs hatte geplant, in Abstimmung mit der Kernredaktion Teile des Metaplot-Programms und vor allem auch die Definition des Südkontinents übernehmen zu können.

Das kreative Fundament für den neuen Kontinent aus der Perspektive Radon Labs ist in dem hier vorliegenden Grobkonzept gelegt. In knapp 20 Seiten Prosa werden die Outlines der Geschichte dargestellt, die Welt in Grundzügen beschrieben, die Features gelistet und der Content in Form von Waffen, NPCs, etc. grob umrissen.

Mindestens genauso spannend sind aber die vielen bildhaften Anhänge in Form von Konzeptskizzen, Mood Pics und fotografischen Inspirationen. Man merkt deutlich, dass es im dritten Teil deutlich fantastischer, schillernder und fremdartiger hätte zugehen sollen. Auch ein etwas ernsterer und düsterer Grundton ist deutlich zu wahrzunehmen, also deutlich weniger humorige Einschläge als dies noch für die Abenteuer in den Gassen Ferdoks galt.

Die Konzeptskizzen zeigen wildere und fremdartige Kreaturen/ Monster wie z. B. primitive Humanoide, Dinosaurierhafte oder auch phantasievolle Abwandlungen der afrikanischen bzw. asiatischen Megafauna. Durchaus finden sich aber auch ein paar klassischere Vertreter wie Tiermenschen, Minotauren oder die aus DSA bekannten Gryphonen.

Die Schauplätze hätten sich visuell an afrikanischen, aber auch asiatischen Landschaftsmotiven anlehnen sollen. Die dem Konzept beiliegenden Fotodrucke schaffen es, obwohl es jeweils nur Kollagen aus Bildern sind, erste Eindrücke und Stimmungen zu vermitteln. Eine „Totenstadt im Dschungel“ wäre z. B. von den Dschungeln und Siam-/ Khmer-Ruinen Thailands bzw. Kambodschas inspiriert gewesen. Ein fiktionales Volk der „Amoquo“ wiederum hätte seine geistigen Wurzeln in Westafrika gehabt, mit seinen Felshangdörfern – wie man sie von der Dogon-Volksgruppe kennt – oder seinen gigantischen bizarr ausschauenden Felsformationen.

Wenn man sich vor Augen führt, was alles hätte werden können, kann man schon ein wenig wehmütig werden. Das gilt insbesondere für mich als jemanden, den Drakensang nach vielen Jahren der Spieleabstinenz mal wieder an die Tastatur geholt hatte (also exklusiv zum Spielen). Die Ideen und Pläne für Drakensang 3 vermögen es erfolgreich, die Phantasie zu beflügeln und ein vielversprechendes Bild von dem neuen Kontinent zu zeichnen. Vielleicht hätten sogar die kreativen Ideen dem Uthuria Projekt auf Seiten des Pen & Paper Hauptstrangs neue Impulse geben und dem ganzen Unterfangen zu einer größeren Aufmerksamkeit verhelfen können.

Drakensang 3 Grobkonzept – Inhaltsverzeichnis

Drakensang 3 Grobkonzept – handschriftliche Anmerkungen

Drakensang 3 Grobkonzept – Skizze Minotauren

Drakensang 3 Grobkonzept – Charakterkonzept

Drakensang 3 Grobkonzept – Entwurf untote Gryphone

Drakensang 3 Grobkonzept – Mood Pics

Drakensang 3 Grobkonzept – Inspirationen

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