„Blutpokal“ zum Blutgruben von Fasar Turnier der Ratcon 2018

Die Blutgruben von Fasar – beim Gedanken an sie beschleicht selbst gestandene Recken ein mulmiges Gefühl. Nicht ohne Grund, denn die Blutgruben machen ihrem Namen nur allzu oft alle Ehre und so müssen Kämpen nicht selten auf einer Bare die Arena verlassen. Beileibe nicht annähernd so schlimm ging es natürlich beim Ratcon 2018 Aventuria Turnier „Blutgruben von Fasar“ zu, doch mussten die „Gladiatoren“ in diesem Turniermodus wahrlich auch alle Register ziehen, um am Ende die Gruben als Sieger verlassen zu können.

Die Besonderheit an den Turnierregeln „Blutgruben von Fasar“ ist, dass die Decks nicht nur nach den Deckbauregeln frei zusammengebaut werden können, sondern dass die Spieler überdies noch bis zu drei Belohnungskarten mit ins Deck nehmen können. Gerade die im Verhältnis zu den regulären Karten ausgesprochen mächtigen Belohnungskarten erhöhen das Power Level der Decks massiv und eröffnen neue und verheerende taktische Möglichkeiten. Entsprechend bis an die Zähne bewaffnet erschienen also die Spieler am Sonntag zum Turnier in den Blutgruben.

Ich selbst hatte mir für das Turnier ein Mirhiban al’Orhima Deck zurecht gelegt. Wie auch auf dem Kaiser Perval Turnier der RPC 2018 sollte mein Deck schnell, aggressiv und ohne Rücksicht auf Verluste funktionieren – also genau passend für die Blutgruben. Die Devise war, den Gegner schnell zu überrumpeln und dann mit den richtigen Manövern / Karten („Atemnot“, „Wurfnetz“, „Traumgestalt“, …) am Boden zu halten („Control Deck“), sodass der frühe Lebenspunkte-Vorsprung nicht mehr aufgeholt werden kann.

Frei nach Moltkes Spruch „Kein Plan überlebt die erste Feindberührung“ war dieses Konzept dann gleich passé als mir zum ersten Duell meine Holde, „Frau Grolm“, zugelost wurde. Das war in doppelter Hinsicht ungünstig, weil ich ihr zum einen beim Deckbau geholfen hatte und zum anderen ich das Deck durchaus so konstruiert hatte, dass sie insbesondere den ganzen zu erwartenden magischen Charakteren gut würde die Stirn bieten können. „Frau Grolms“ Arbosch war in der Lage, über die Belohnungskarte Salasandra: Kampf sowohl Waffen als auch Rüstungen günstig und schnell auf den Tisch werfen zu können und war so ziemlich schnell von Kopf bis Fuß recht dick eingerüstet. Jeder Zug, den der Zwerg so herausschinden konnte, ließ die Siegchancen der auf einen schnellen Sieg zockenden Mirhiban nach hinten heraus natürlich schwinden. Am Ende reichte es mit nur 12 übrigen Lebenspunkten für Mirhiban dann doch noch knapp zum Sieg. Ein ziemlich bitterer allerdings, denn wer möchte schon gerne seiner Frau einen Strich durch die Rechnung machen – und das gleich auch noch in der ersten Runde.

In der Runde 2 kam es dann zum „classico“, wie man mittlerweile sagen kann. Ich musste nämlich wie bei allen Turnieren der letzten Zeit gegen Marion und ihr Hexendeck antreten. Dieses Deck war wie auch das meinige auf eine schnelle und schlagkräftige Spieleröffnung ausgelegt. Mit zwei Yagan-Nüssen, den Belohnungskarten Karfunkel und Axxeleratus-Gürtel hatte die rothaarige Katzennärrin ganz schön Steroide intus. So kam sie ziemlich schnell mit ziemlich unangenehmen Karten raus – wie zum Beispiel der notorischen Traumgestalt. Mit den Lebenspunkten ging es also beiderseits rasch und rapide abwärts, allerdings hatte die Hexe mit der Sonnenwende und dem beliebten Instant-Heilzauber Balsam durchaus noch ordentlich Puste für manche Extrarunden (die ich leider überhaupt nicht haben wollte). Gerade der Balsam ist eine sehr schöne Karte, er ist zwar nach oben hin auf 10 LP gedeckelt, hat aber dafür einen guten taktischen Wert. Im Gegensatz nämlich zu anderen Karten, die ich am liebsten alle in den ersten Runden ausspielen möchte (z. B. der Heilkunde Wunden, den ich jede Runde befeuern muss, um eine gute Ausschöpfung zu erreichen), brauche ich den Balsam erst im late game. Und dort habe ich dann keine Sorgen mehr über Ressourcenengpässe, um die erforderlichen (5) Ausdauer zu bezahlen. Im Hinblick auf die konkrete Duellsituation konnte ich zwar gegen den Balsam nichts ausrichten (außer noch mehr Schaden machen), aber mit dem Betäubenden Schlag (zwei Mal im Sideboard – mit weniger gehe ich gegen die Hexe nicht ins Rennen) gelang es zumindest, die für jeden Gegner unangenehmen Lebenspunkte-Infusionen Sonnenwende abzuklemmen und damit gerade so den Sieg nach Hause zu bringen.

Die finale Runde, die wie alle Runden nach dem Schweizer System zugeteilt wurde, brachte die gute Mirhiban mit dem Peraine-Geweihten Hilbert aus Auen in die Kor-Grube. Der Geweihte mag zwar harmlos aussehen, hat aber mit Mörderstorch / Tiergestalt und Hornissenschwarm ein ziemlich tödliches Arsenal im Gepäck. Gelingt es ihm, diese beiden Angriffe auf den Tisch zu bringen, kann er seinen Gegner mit wuchtigen Schlägen ganz schön vor sich her treiben. Genau dies geschah dann auch, nachdem meine Gegnerin die ersten Runden des Spielaufbaus mit Kräftigung, kleiner Rüstung und Heilkunde Wunden recht gut überbrückt hatte. Gerade als es prekär zu werden begann, konnte ich die Wende mit dem Unsichtbarkeitstrank bringen und meiner Gegnerin so gesehen eine wichtige – und damit am Ende entscheidende – Angriffsrunde stibitzen.

Nach drei wirklich harten Duellen unter den Augen von Spieleentwickler Christian Lonsing – in diesem Setting also auch unser oberster Kor-Geweihter – entstieg Mirhiban am Ende des Tages als Siegerin dem staubigen Schlund der Blutgruben. Gezeichnet fürs Leben, aber als Trophäe immerhin den roten Blutpokal 2018 in den Händen haltend. Platz 2, und damit der silberne Pokal, ging an die Hexe Rovena. Der bronzene Pokal ging schlussendlich an Mirhibans Finalkontrahenten Hilbert aus Auen.

Insgesamt war es wieder ein kurzweiliges Turnier in freundschaftlicher Spielatmosphäre, alle Teilnehmer (eine auffallend hohe Frauenquote übrigens, was ich ganz klasse finde) hatten eine Menge Freude mit den Blutgruben (auch wenn das nun etwas gegensätzlich klingen könnte). Schön war zu sehen, dass der Aventuria Deckbuilder (hier zu finden: Deckbuilder) meines Kölner Spielkameraden Michael Heitsch sich großer Beliebtheit erfreute (er ist wirklich super praktisch) und die Teilnehmer des Turnierwochenendes ihre Decks fast alle damit ausgedruckt hatten. Die Decks selbst hatten aus meiner Sicht übrigens ein fast durchgängig hohes Niveau. Man sah, dass sich alle besondere Mühe bei der Deckkonstruktion gegeben und das Beste aus ihrem Kartenpool herausgeknetet hatten. Das unterstreicht meinen Eindruck, dass das Blutgruben von Fasar Turnierformat in der Spielerschaft ausgesprochen guten Zuspruch erhält. Ich sehe es ja selbst so, dass die drei Belohnungskarten ordentlich Abwechslung und Dynamik in die ansonsten deutlich homogenere Ergebnisse (im Hinblick darauf, wie die Decks auf den Turnieren ausschauen) liefernde „standard“ Deckkonstruktion bringen. Somit sind die „Blutgruben“ eine absolut legitime Alternative zu den ansonsten natürlich genauso wichtigen Zwölfgöttertjoste Turnieren.

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